Abenteuer Naturfotografie – Jäger des Lichts!


© Bernd Römmelt, Polarlichter auf den Lofoten

Naturfotografen sind merkwürdige Menschen: Sie fliegen mit 50 Kilo Übergepäck in Gegenden, in denen sich Polarfuchs und Karibu Gute Nacht sagen, leben wochenlang in einem winzigen Zelt, wo sie sich von Reis und Tütensuppen ernähren, lassen sich von Mücken zerstechen und schleppen Rucksäcke mit sündteurer Ausrüstung durch die Tundra, bis die Bandscheiben streiken. Warum tun sie sich das an? Weil sie mit Vorliebe aus unbekannten Welten berichten. Sie wollen uns Dinge zeigen, die wir mit eigenen Augen nicht zu sehen bekommen.

Damit stehen sie in der Tradition jener Maler, die früher, vor der Erfindung der Fotografie, die großen wissenschaftlichen Expeditionen begleiteten: Leute wie der Deutsche Georg Forster, der in den 1770er-Jahren mit James Cook unterwegs war, oder der geniale Österreicher Ferdinand Bauer, der von 1801 bis 1805 mit Matthew Flinders die australische Küste erforschte.


© Brunonia australis R.BR., Illustration von Ferdinand Bauer

Diese Künstler hatten die Aufgabe, die neu entdeckten Tiere und Pflanzen möglichst naturgetreu darzustellen. Das war nicht nur aus dokumentarischen, sondern auch aus konservatorischen Gründen notwendig, denn bis die Expedition wieder zu Hause anlangte, vergingen in der Regel Jahre. Tiere überlebten oft die Rückfahrt nicht; und was die Pflanzen anging, waren die getrockneten und gepressten Exemplare in den Expeditionskisten nur ein trauriger Abklatsch der farbigen Pracht, die man im Gelände vorgefunden hatte. Um von den fremden Pflanzen und Tieren einen lebendigen Eindruck zu vermitteln, mussten die Maler nicht nur über enormes handwerkliches Können verfügen, sondern auch über beträchtliches Artenwissen: Sie mussten das, was sie vorfanden und darstellten, einschätzen können. Durch ihre Arbeit erweiterten sie das Wissen über die Welt. Und schufen Werke, die noch heute durch ihre Präzision und Könnerschaft erstaunen.

In unserer Welt dagegen sind die Bilder inflationär geworden. Bei Youtube werden in jeder Minute hundert Stunden neue Videos hochgeladen; Bildschirme umgeben uns auf Schritt und Tritt; selbst Tageszeitungen sind inzwischen durchgehend farbig. In dieser Flut Akzente zu setzen, ist schwierig. Die digitale Technik hat die Möglichkeiten der Fotografie enorm erweitert. Die modernen Sensorchips sind hundertmal schneller als früher der schnellste Film; Farbe, Kontrast, Helligkeit oder Tonwert können gezielt verändert werden; statt am Film zu sparen, kann man beliebig viele Bilder machen. So gibt es heute mehr ambitionierte und gute Hobbyfotografen als je zuvor. Und dennoch – um außergewöhnliche Fotos zu machen, braucht man immer noch die klassischen Tugenden: handwerkliches Können, Wissen über die Natur, Zähigkeit, Hingabe und Willen. Bis zur Besessenheit.


© Ingo Arndt, Küstenbär

Aus diesem Grund freuen wir uns besonders, unsere 15te GRENZGANG-Saison mit den Jägern des Lichts zu starten. Noch nie standen fünf Naturfotografen vereint auf einer Bühne, um die Schönheiten unserer Natur zu präsentieren! Sie erzählen live und mitreißend von ihrer Motivation, ihren Einflüssen und Zielen sowie ihrer ganz individuellen Arbeits- und Herangehensweise.

Alle Termine:
Köln: 10.11.2017, Theater im Tanzbrunnen um 19 Uhr
Münster: 11.11.2017, Aula am Aasee um 19 Uhr
Düsseldorf: 12.11.2017, Savoy Theater um 18.30 Uhr
Tickets und Infos gibt es hier.

Und das sind sie, die 5 Jäger des Lichts:

Ingo Arndt fotografiert regelmäßig im Auftrag für GEO Deutschland. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Deutschen Preis für Wissenschaftsfotografie sowie einen World Press Photo Award. Zudem war er vielfach Preisträger beim Wildlife Photographer of the Year Award und beim Wettbewerb Europäischer Naturfotograf des Jahres.

David Hettich berichtet seit Jahren als Botschafter der Ozeane. Mit seinen Kameras geht er regelmäßig auf Tuchfühlung mit den größten Bewohnern der Meere. Er ist Mitglied der Ocean Geographic Society und berufenes Mitglied der Gesellschaft für Bild & Vortrag.

Markus Mauthe ist gelernter Fotograf und hat durch seine Reise- und Abenteuerlust von Anfang an die Naturfotografie für sich entdeckt. In Multivisionsshow zeigt er die Schönheit der Welt und macht gleichzeitig auf die Notwendigkeit ihrer Erhaltung aufmerksam. Seit dem Jahr 2003 unterstützt er mit seiner Arbeit Greenpeace.

Bernd Römmelt arbeitet seit 2001 als freiberuflicher Fotograf und Reisejournalist. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Alpen sowie die nordischen Regionen Alaska, Kanada, Grönland, Island, Spitzbergen, Lappland und Russland. 2002 und 2003 wurden zwei seiner Bilder von der BBC beim wichtigsten und prestigeträchtigsten Naturfotowettbewerb der Welt ausgezeichnet.

Florian Schulz widmet sich ganz der Naturfotografie, mit der er eine Vision verfolgt – den Erhalt der Artenvielfalt, die die Natur uns bietet. Als jüngstes Gründungsmitglied der International League of Conservation Photographers (ILCP) nutzt er seine Fotografie, um das Interesse und Verständnis seines Publikums für die Bedeutung der Vernetzung von Lebensräumen zum Erhalt gesunder Ökosysteme zu fördern



Veröffentlicht von Patricia Pilgram am 25. Oktober 2017 in der Kategorie »GRENZGANG aktuell« mit den Schlagwörtern: , ,

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