Ein einfaches Leben ohne Ballast – Im Gespräch mit dem Weltenwanderer


Ein einfaches Leben ohne Ballast. Die Welt erkunden, ohne ihr Schaden zuzufügen. Diese Wünsche stehen am Anfang von Gregor Sieböcks einzigartigem »Weltenwanderer«-Projekt. Vor 16 Jahren macht er sich auf den langen Weg um die halbe Welt.

Gregor, was hat dich zu diesem Projekt inspiriert – Wie kommt man dazu, gleich mehrere Jahre am Stück durch die Welt zu laufen?
Ich wollte die Welt kennenlernen und entdecken. Eine wunderbare Möglichkeit ist das zu Fuß gehen weil man da einen unmittelbaren Kontakt zur Erde und den Menschen hat. Es ist anstrengend, birgt aber viele Geschenke.

Du hast geplant, westwärts nach Japan aufzubrechen und nicht ostwärts, warum?
Weil ich Spanisch, Französisch und Englisch fließend spreche und ich mich auf der Westroute perfekt mit den Menschen unterhalten konnte; im Gegensatz zum Weg nach Osten auf dem ich die Sprachen erst lernen hätte müssen. Außerdem haben mich einige Gegenden auf der Weltroute besonders interessiert, der Jakobsweg, Patagonien und die königliche Inkastraße.

Wenn ich meiner Familie und meinen Freunden erzählen würde, dass ich demnächst vorhabe nach Japan zu laufen, ich glaube, die würden mich für verrückt halten. Wie war das bei dir?
Man hat immer die Freunde, die die einem entsprechen. Sie haben mich nicht für verrückt erklärt, sonst wären sie nicht meine Freunde!

Von der Idee bis zur Umsetzung: Wie lange hat das gedauert?
Ein halbes Jahr habe ich geplant und nebenbei gearbeitet, um das Geld für die Tour zu verdienen, dann ging‘s los!

Warum wolltest du zu Fuß gehen? Es gäbe noch andere naturnahe Fortbewegungsarten, wie zum Beispiel das Fahrrad.
Das Fahrrad ist zu schnell; außerdem bin ich mit dem Fahrrad auf Straßen und fahrbare Wege gebunden. Die königliche Inkastraße von Cusco bis Quito ist nur zu Fuß möglich. Der Weg ist dort wo ich ihn gehe und nicht wo vorher jemand einen Weg für mich gebaut hat.

Kannst du dich noch an deine ersten Eindrücke erinnern?
Ich kann mich an sehr viel erinnern…viele der Geschichten hört ihr dann beim Vortrag 🙂

Du warst meist allein unterwegs, richtig? Das stelle ich mir gar nicht so einfach vor. Wie hast du es geschafft, dich selbst Tag für Tag zu motivieren?
Mir war klar warum ich die Tour mache, daher habe ich diese nicht hinterfragt, es gab keinen Zweifel. Ohne Zweifel muss ich mich auch nicht immer wieder motivieren, die Motivation erwächst gewissermaßen aus der Reise und aus dem Unterwegs Sein; einfach natürlich. Und ja ich war meist alleine unterwegs weil es nur wenige Menschen gibt, die jeden Tag zwischen 40 und 50 Kilometer gehen wollen und das noch mit einem großen Rucksack am Rücken… da sind dann nur mehr wenige dabei die das wirklich wollen.

Auf welche Grenzen bist du gestoßen?
Grenzen? Ich habe einen Schritt vor den anderen gesetzt, ich bin an meiner Aufgabe gereift, meine Kondition ist immer besser geworden und so entstand der Weg im Gehen. Leben ohne Grenzen, das ist ja die Vision….

Was waren die Höhepunkte der Wanderung?
Jeden Augenblick, von vielen kleinen Geschenken am Wegesrand bis zu den großen Zaubermomenten.

Ein einfaches Leben ohne Ballast – was verstehst du darunter?
Luxus ist das was ich nicht brauche; sprich wenn ich beim Wandern erkenne, dass ich etwas nicht brauche und dementsprechend nicht mittragen muss, dann ist mein Rucksack leichter, und das ist Luxus – ein leichter Rucksack. Das ist bei der Wanderung genauso wie im Alltag. Alles was ich kaufe kostet Geld, das ist zu verdienen, dafür investiere ich meine Lebenszeit. Wenn ich weniger kaufe habe ich mehr Zeit für das Wesentliche im Leben, zum Beispiel mich mit Fragen zu beschäftigen wie „Wer bin ich?“ „Was ist meine Aufgabe hier auf dieser Erde?“ Wie kann ich dazu beitragen im Einklang mit der Erde zu leben?“ Und dann habe ich die Lebenszeit, um die daraus gewonnenen Antworten umzusetzen anstatt einem übermäßigen Konsum nachzulaufen.

Was ist dir von deiner Wanderung geblieben? Hat dir diese geholfen zu einem einfacheren Leben zu finden – vor allem auch im Alltag?
Es geht immer darum die gewonnenen Erkenntnisse in den Alltag zu integrieren, das ist die Essenz; deswegen reise ich weil die Reise mein Leben inspiriert. Vom Wissen zum Handeln, das ist der Fokus!

Du bist als Wanderer langsam unterwegs, du hörst, du riechst, bekommst vieles mit. Wie beurteilst du den Zustand der Welt?
Wir stehen als Menschheit vor einer großen Herausforderung. Im Augenblick ist Geschwindigkeit die Essenz, möglichst alles schnell zu machen ohne sich vorher zu überlegen ob das überhaupt Sinn macht. Es geht darum zu erkennen, dass wir ein Teil der Erde sind, dass wir alle miteinander verbunden sind. Wir alle reisen auf dem großen Raumschiff Erde durchs Universum und es geht darum, dass wir dies gemeinsam schaffen. Im Augenblick liegt der Fokus aber eher auf dem Trennenden und nicht auf dem was uns verbindet! Also am besten Inne halten, in die Stille gehen, gut durchatmen und schauen um was es wirklich geht….immer noch mehr Wirtschaftswachstum? Warum? Könnte es nicht sein, dass wir längst genug haben und es nun um etwas ganz anderes geht im Leben als noch mehr, noch höher und noch schneller?

Wie war es nach den drei Jahren wieder nach Hause zu kommen?
Ich liebe Österreich und ich fühle mich daheim sehr wohl; gleichzeitig genieße ich es zu reisen und in die Welt hinaus zu gehen, in diesem Widerspiel bewege ich mich. Es ist ein großes Geschenk!

Und wie ist es nach der Wanderung bei dir weitergegangen?
Ich reise immer noch, ich gehe immer noch – mittlerweile aber ohne fixes Ziel und lasse den Weg im Gehen entstehen. Das ist ein Ankommen im Augenblick, im jetzt; somit ein riesengroßes Geschenk!

Du bist viele Jahre unterwegs gewesen, was verstehst du unter dem Begriff Heimat?
In den vergangenen 16 Jahren war ich sehr viel unterwegs, ich sehe die Erde als mein Heimat fühle aber gleichzeitig eine große Verbundenheit mit dem Universum und dem Kosmos. Alles ist eins!

In deinen beiden Reise-Reportagen „Der Weltenwanderer“ und „Patagonien“ sprichst du über deine Erfahrungen: Was ist deine Botschaft an die Besucher?
Lasst Euch überraschen und kommt vorbei….es gibt viele Geschichten – ja ich bin ein Geschichtenerzähler, ich verknüpfe diese Geschichten mit unserem Leben hier in Europa und damit was für Erkenntnisse ich auch meinem Unterwegs sein für den Alltag ziehen kann. Dazu gibt es zauberhafte Bilder aus der weiten Welt doch alles in allem ist es viel mehr als ein Reisevortrag: es geht um Bewusstsein; um bewusstes Sein, um das innere Selbst, um das Leben, um Träume und Visionen….und um die Hoffnung wie das alles gelingen kann. In diesem Sinne, herzlich willkommen!

Hier könnt ihr die Reise-Reportage „Patagonien“ mit Gregor Sieböck live erleben:

Köln, Sonntag 10. Februar, Volksbühne am Rudolfplatz, 18 Uhr
Bochum, Dienstag 12. Februar, Bahnhof Langendreer, 19 Uhr
Münster, Mittwoch 13. Februar, Marienschule, 19 Uhr
Aachen, Donnerstag 14. Februar, Cineplex Aachen, 19 Uhr
Krefeld, Freitag 15. Februar, Kulurfabrik, 19 Uhr
Mönchengladbach, Samstag 16. Februar, Haus Erholung, 19 Uhr
Düsseldorf, Sonntag, 17. Februar, Savoy Theater, 18 Uhr

Infos und Tickets gibt es hier.

Mit seiner Reise-Reportage „Der Weltenwanderer – 20.000km Pilger“ ist Gregor Sieböck in Düsseldorf und Köln:
Köln, Sonntag 10. Februar, Volksbühne am Rudolfplatz, 14 Uhr
Düsseldorf, Sonntag, 17. Februar, Savoy Theater, 14 Uhr

Infos und Tickets gibt es hier.



Veröffentlicht von Patricia Pilgram am 31. Januar 2019 in der Kategorie »GRENZGANG-Referenten im Gespräch« mit den


Unsere Seiten: Spielorte Referenten FAQ

Artikel teilen:

Artikel kommentieren

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an post@grenzgang.de widerrufen.