Wildnis in der Großstadt – Interview mit Sven Meurs

Für deine neueste Reise-Reportage „Großstadt Wildnis – Safari in urbaner Natur“ bist du in verschiedene deutsche Städte gereist. In welchen Städten warst du unterwegs?
Es geht einmal quer und längst durch Deutschland. Nach Frankfurt am Main, nach Köln, Düsseldorf, nach München, Hamburg, natürlich nach Berlin, in die Hauptstadt der Wildtiere. Es geht wieder zurück ins Ruhrgebiet, nach Heidelberg und Stuttgart. Ein winziger Abstecher nach Kassel, ganz kurz nach Bonn und nach Neuss geht es auch!

Warum fotografierst du die Tiere in der Großstadt und nicht in freier Wildbahn – wo liegt für dich der Reiz?
Ursprünglich wollte auch ich Tiere in freier Wildbahn fotografieren. Aber das Fotografieren von Stadttieren hat mehrere entscheidende Vorteile. Zum einen macht es mir unglaublich Spaß, den Kontrast zu sehen, wie Tiere mit uns Menschen und der Stadt zurecht kommen, zum Anderen kommt man den Stadttieren oft deutlich näher, als ihren Verwandten in der freien Natur. Die Tiere haben sich an uns Menschen gewöhnt und gelernt, dass von uns keine Gefahr ausgeht.
Aber ganz ehrlich. Wo ich den Fuchs sehe, ist mir fast egal, ich könnte ihn einfach stundenlang beobachten, ich liebe diese unglaublich schlauen Tiere einfach!

In unseren Städten ist es laut, hell und hektisch. Was zieht die Wildtiere in die Nähe der Menschen?

Wildtiere kommen ja schon seit wir Menschen sesshaft geworden sind, in unsere Nähe. Früher ware n es vor allem Tauben, Mäuse und Ratten, die sich über unsere Vorräte hergemacht haben.
Da mittlerweile leider soviel zu Essen weggeschmissen wird, die ganzen Grillreste, Fastfood Abfälle etc. kommen auch immer andere Arten in die Stadt, die, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Füchse, Wildschweine und Waschbären fressen eine ganze Menge weggeworfene Lebensmittel, oder werden sogar damit gefüttert. Die Stadt bietet Schutz, hier wird kaum gejagt, und gute Versteckmöglichkeiten. Außerdem ist es in unseren Städten oft wärmer als im Umland, vor allem im Winter. Davon profitieren Arten wie Halsbandsittich und Eisvogel.

Damit die Wildtiere in ihrer neuen urbanen Umgebung zurechtkommen müssen sie sich anpassen und ihr gewohntes Verhalten ändern. Kannst du uns hierfür ein paar Beispiele geben?
Füchse haben gelernt, auf die Straße zu schauen, bevor sie diese überqueren. Aber auch Vögel, die ihre Nester an Straßen oder Schienen bauen, wissen genau, dass sie nicht losfliegen dürfen, wenn ein Fahrzeug kommt. Leider lernen nicht alle Stadttiere, dass vom Verkehr eine der größten Gefahren ausgehen.

Du hast Wildschweine in Berlin gefilmt, Biber in München aufgespürt und exotische Vögel in Stuttgart fotografiert. Woher wusstest du, wo sich die Tiere aufhalten?

Die Berliner Wildschweine sind ja mittlerweile Deutschlandweit bekannt. Für andere Tierbegegnungen bin ich viel unterwegs gewesen, habe mir Städte angesehen und lange beobachtet, bevor ich das erste Foto gemacht habe. Aber natürlich kommen mir auch die sozialen Medien entgegen, in denen sich schnell rumspricht, wenn etwas spannendes passiert. Die Uhus im Ruhrgebiet und die Biber in München habe ich erst so gefunden. Am besten sind Tipps aus der Bevölkerung, erst durch eine aufmerksame Düsseldorferin habe ich den Eisvogel in der Stadt fotografieren können.

Was war der ungewöhnlichste Lebensraum?

Ich glaube, die Meise, die in der Ampel wohnt hat einen der verrücktesten Lebensräume für sich entdeckt. Sie ist bestens vor Fressfeinden geschützt, und es wirkt fast surreal, wenn dieser kleine Vogel aus dem hohlen Ampelmast heraus fliegt.

Auf deinen Fotos sieht es so aus, als ob du sehr nah an den Tieren dran bist. Das sieht man gut bei den Fuchsbildern. Wie gelingen dir diese Aufnahmen?
Warten, warten, warten. Und dann noch jede Menge Geduld. Ehrlich. Um das Titelbild meines Vortrages zu machen habe ich vom 15. Juni bis zum 31. Juli 2018 etwa 240 Stunden am Fuchsbau verbracht. Immer so ab 18.00 Uhr. Oft bis spät in die Nacht. Über 11.000 x habe ich auf den Auslöser gedrückt. Habe ich schon gesagt, dass man vor allem Geduld braucht?

Was ist dein Lieblingstier?
Ich liebe Füchse. Sie sind unglaublich schlau, sie zu fotografieren macht mir vielleicht auch deshalb so viel Spaß, weil man danach einen Moment das Gefühl hat, schlauer als dieses clevere Tier zu sein. Aber auch an Eisvögeln, Hirschen und Bibern kann ich mich eigentlich nicht wirklich satt sehen.

Das immer mehr Wildtiere in den Städten leben, wird auch als Problem dargestellt. Wie siehst du das?

Ich glaube, wenn wir alle ein bisschen rücksichtsvoller mit unserer Natur umgehen, wenn wir aufhören, Wildtiere durch Füttern an uns Menschen zu gewöhnen, wenn wir uns gut informieren, warum die Natur vor der Haustüre steht, dann steht einem Zusammenleben zwischen Mensch und Natur nichts im Wege. Ich kenne keinen Fall, indem ein Stadtfuchs einen Menschen angefallen hätte, die Zwischenfälle, die es in Berlin zwischen Wildschweinen und Menschen passieren, gehen fast immer auf „Falschem“ menschliches Verhalten zurück.


Was erwartet die Besucher deiner Reise-Reportage „Großstadt Wildnis“?

Ich werde in meiner Live-Reportage dutzende wilder Stadtbewohner vorstellen, die alle ihre eigenen Wege gefunden haben, mit uns Menschen zurecht zu kommen. Skurriles, lustiges, manchmal auch nachdenkliches und trauriges. Vor allem möchte ich aber für die Schönheit und Außergewöhnlichkeit der Natur und im Speziellen der Stadtnatur aufmerksam machen und versuche meinem Publikum auf humorvolle Art die Natur vor der Haustüre näher zu bringen.
Kommt vorbei, es wird TIERISCH werden. Ich freue mich!

Mit seiner Show ist Sven Meurs am 6. Januar in Köln und Düsseldorf.
Weitere Infos und Tickets gibt es hier.



Veröffentlicht von Patricia Pilgram am 5. Dezember 2018 in der Kategorie »Interview« mit den Schlagwörtern: , , ,


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