„Borneo“-Veranstaltung mit Dieter Schonlau regt zum Nachdenken an…

Am 19. November war Dieter Schonlau mit seiner Reise-Reportage „Borneo“ im Kölner Cinedom zu Gast. Seit fast 30 Jahren dokumentieren der National Geographic Fotograf und seine Frau Sandra Hanke das Leben in den größten Regenwaldregionen der Erde und setzen sich für den Erhalt dieser einzigartigen Lebensräume ein.
Am Sonntag nahmen sie uns tief in die Regenwälder Borneos mit: Mit Bildern von Insekten, die wie wunderschöne Blüten aussehen, und Erzählungen von unglaublichen Begegnungen mit Waldelefanten und vom Leben der Orang-Utans.


© Dieter Schonlau, Borneo – Orang Utan

Aber die beiden Referenten machten auch auf ein trauriges Thema aufmerksam: Jedes Jahr fallen eine Million Hektar Regenwald legalem oder illegalem Raubbau zum Opfer. Die Orang-Utans sind Opfer der rasanten Regenwald Abholzung. Ihr Lebensraum wird zur Holzgewinnung und für neue Palmöl-Plantagen gerodet. Das vielseitige und preiswerte Pflanzenfett ist aus der heutigen Industrie nicht mehr wegzudenken. Jedes zweite Produkt im Supermarkt enthält Palmöl. Doch die Natur bezahlt einen hohen Preis.

Heike Berger, eine Besucherin aus Köln war ganz bewegt von den Bildern und Geschichten, die uns Dieter Schonlau mitgebracht hat. Sie hat uns einen nachdenklichen Text zum Thema Palmöl geschickt:

„Wir waren heute mal wieder bei einem Grenzvortrag. Unsere 2-stündige Auszeit, mit Dieter Schonlau, führte uns nach Borneo: Regenwald, Dschungel, Tiere, Pflanzen, tolle Geschichten.
Wir haben gestaunt, genossen, gelernt, gelacht und am Ende ein paar Tränchen verdrückt.

Warum das?

Einige ahnen es vielleicht.

Wer, wie Dieter Schonlau und seine Frau Sandra Hanke, Regenwälder und die atemberaubende Artenvielfalt dort so sehr liebt, macht auf ein bitteres Thema aufmerksam, um dazu beizutragen, diese Paradiese zu retten: Die Holzung der Regenwälder, um Palmölplantagen hochziehen zu können, die unseren enorm steigenden Bedarf an Palmöl sicherstellen.

Bisher habe ich die Auseinandersetzung mit diesem Thema immer erfolgreich `auf später´ verschoben. Heute habe ich aber gemerkt, dass ich nun endlich hinschauen will. Die Fotos und Erzählungen von Dieter Schonlau haben dazu geführt, dass ich gerade hellwach bin. Das soll es alles bald nicht mehr geben? Diese Wunder der Natur für immer zerstört!?

Also fange ich an zu lesen. `Eigentlich´ müsste ich die kommende Arbeitswoche vorbereiten. Ich kann mich aber nicht konzentrieren und frage mich, warum überhaupt Palmöl in Nutella, Eis, Tiefkühlpizza, Kosmetika, Schokolade, Waschmittel, Backwaren, Kerzen, Bio-Kraftstoff, usw. drin ist.

Ich bekomme Antworten. Ich bekomme aber auch Hinweise auf weitere Themen, die dazu gehören und die deutlich machen, dass das Thema ziemlich komplex ist … Überraschung!

Ich erfahre v.a., dass es gar nicht darum gehen kann, Palmöl durch andere Öle zu ersetzen und lese auf der Seite des WWF „Der Tausch wäre noch schlimmer, weil andere Öle noch mehr Anbaufläche in Anspruch nehmen würden, denn Ölpalmen wachsen schnell und sind die effizientesten Ölpflanzen der Welt.
Würden wir Palmöl z.B. durch Sojaöl ersetzt, würde die sechsfache Fläche benötigt. Und auch Kokosöl wäre keine wirklich gute Alternative, denn Kokospalmen wachsen unter ähnlichen Bedingungen und in ähnlichen Regionen. Dabei sind sie aber weit weniger ertragreich. Also würde noch Regenwald vernichtet werden.

OK, was kann ich tun?

Auch hier hilft mir der WWF-Artikel:

Zitat: „Wir müssen aber nicht nur den Anbau verbessern, sondern auch unser Konsumverhalten. Und daran kann – das ist die gute Nachricht – jeder Einzelne von uns mitwirken. Wir könnten die Hälfte des deutschen Palmölbedarfs durch veränderten Konsum einsparen. Die Hälfte! Und das kann jeder von uns beeinflussen. Durch einfache Konsumentscheidungen. Es ist vielleicht ein bisschen abstrakt, aber so trägst Du zur Palmölreduktion bei.“

Konkret heißt das:

* Weniger Süßes und Fettiges. Klingt schwierig, aber wir essen doppelt so viel Schokolade wie andere Europäer – und allein 1,5 Kilo Nutella und Co pro Kopf im Jahr. Da geht vielleicht doch ein bisschen weniger. Das kommt nicht nur Gesundheit zugute, sondern auch dem Regenwald.

* Frische Lebensmittel statt Fertigzeug – und weniger, dafür aber besseres Fleisch. Warum? Acht Prozent des Palmöls landen in Deutschland in den Futtertrögen der konventionellen Intensivtierhaltung.

* Kein Regenwald mehr in den Tank: Palmöl muss aus raus den Biokraftstoffen. Alternative ist nicht wieder Erdöl, sondern die konsequente Reduzierung des Energiebedarfs. Das heißt im Großen Verkehrsvermeidung und Effizienzsteigerungen. Aber auch Du kannst zu palmölarmem Verkehr beitragen: Fahrrad statt Auto, Schiene statt Straße und Videokonferenz statt Geschäftsreise – was dann auch wieder der Gesundheit und dem Regenwald gut tut.

* Wenn Dein Produkt Palmöl enthält, achte als Minimum auf eine RSPO-Zertifizierung. Ist Dir zu lasch? Dann kauf am besten Bio. Damit ist die Belastung für die Umwelt noch geringer, da Biopalmöl beispielsweise auch ohne gefährliche Pestizide auskommt.“
Ich will gar nicht verheimlichen, dass ich mehr als 1 Mal tief geseufzt habe, denn klar, das Leben wird anstrengender. Aber wie unglaublich toll ist der Return on Investment!!!!!!“ (Heike Berger, Köln)

Vielen Dank Heike, dass du uns an deinen Gedanken teilhaben gelassen hast. Für uns ist es besonders schön, wenn wir mitbekommen, dass die Reise-Reportagen zum Nachdenken anregen.

Wer noch mehr über die Regenwald-Abholzung und dem Lebensraum der Orang-Utans erfahren möchte, kann sich auf der Homepage des Sumatra-Orang-Utan-Schutzprogramm (SOCP) informieren. Dieter Schonlau und Sandra Hanke arbeiten seit vielen Jahren mit der Organisation zusammen. Alle Infos findet ihr hier.



Veröffentlicht von Patricia Pilgram am 22. November 2017 in der Kategorie »Neuigkeiten« mit den Schlagwörtern: , ,

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