Ein Weg um die Welt – ohne Flugzeug

Im Frühling 2013 packen Patrick und Gwen ihre Rucksäcke, um sich auf einen langen Weg um die Welt zu machen: Von ihrer Heimatstadt Freiburg soll es über Land und Wasser so weit in den Osten gehen, bis sie aus dem Westen wieder zurückkommen – ohne ein einziges Flugticket!

Drei Jahre und 110 Tage reisen Sie mit Bus, Zug, Schiff oder per Anhalter durch Europa, Asien, Nord- und Zentralamerika. Im Mittelpunkt der Reise steht dabei immer der unmittelbare Kontakt zu den Menschen, die sie durch das „per Anhalter reisen“ besonders intensiv erleben dürfen.
Dabei ist das Überland-Reisen nicht immer einfach. Wir haben die sympathischen Weltenbummler gefragt, warum sie sich für das Reisen ohne Flugzeug entschieden haben. Lest hier einen inspirierenden Auszug aus ihrem Reisemagazin, der Lust macht auf das Fliegen zu verzichten:

Jemand hat mal gesagt, die Welt sei geschrumpft. Sie sei mittlerweile so klein, dass man sie in 48 Stunden mit dem Flugzeug umrunden könne.*
*Die schnellste Weltumrundung eines Unterschallflugzeugs liegt 2013 bei 41 Stunden und sieben Minuten (Quelle: Gulfstreamnews.com /2013)

Ich erinnere mich gut an die letzten Momente vor unserer Einreise nach Indien. Wir hatten eben unseren pakistanischen Freunden Auf Wiedersehen gesagt, hatten unsere Rucksäcke wieder auf den Rücken geschwungen, um den letzten Metern Richtung Indien entgegenzulaufen.

Fünf große Buchstabe stehen am Ende der Straße auf einem Torbogen: INDIA. Es überkommt mich ein Glücksgefühl. Vor zehn Monaten und vielen Tausenden von Kilometern haben wir unsere Heimat verlassen, um uns auf die erste große Etappe ohne Flugzeug zu machen. Jetzt sind wir da.

„Gwen, wir sind über Land nach Indien gekommen!“ Gänsehaut wandert mir über die Arme.

Wir haben gesehen, wie sich Landschaften langsam verändern. Wie aus Wald schleichend Wüste wird, aus Wüste Steppe, aus Steppe tropischer Wald. Aus Weite Berge, aus Bergen Gebirge und wieder die Weite. Wir haben Kulturen gespürt und gefühlt was sie miteinander verbindet, oft über politische Grenzen hinweg. Wir haben gesehen, wie Gesichter und traditionelle Kleider sich Stück für Stück verändern. Wir haben geschmeckt, wie Essen prisenweise schärfer oder milder wird, wie Ernte mit dem Klima reift. Wassermelonen in Kasachstan, Feigen in Georgien, Granatäpfel in Armenien, Orangen und Datteln im Iran, Mangos in Pakistan und Bananen in Indien. Ohne Flugzeug zu reisen heißt diese Zusammenhänge zu entdecken und einzuordnen.

Wir können nun besser verstehen was Indien und Deutschland voneinander unterscheidet. Nicht, weil wir beide Länder kennen, sondern weil wir wissen, was alles dazwischen liegt.
Als wir in Tokio auf dem abfahrenden Containerschiff stehen, bin ich froh um meine dicke sibirische Jacke. So kalt ist die Winternacht in Nordostasien. In Manzanillo (Mexiko) gehe ich fünfzehn Tage später in kurzer Hose und Unterhemd vom Schiff. Tropisch warm empfängt uns der neue Kontinent. Zwei Wochen hatte das Klima Zeit, um sich von einem Extrem in ein Anderes zu verwandeln. Es war schön, das langsam und Tag für Tag gespürt zu haben. Zu fühlen, dass Japan und Mexiko bei weitem keine Nachbarländer sind. Als wir von Bord gehen, bin ich froh, dass wir nicht in einem Zehn-Stunden-Flug das größte Meer der Erde überflogen haben.

Und doch ist das Überland-Reisen nicht immer einfach.
Es bedarf mehr Planung und Vorbereitung als ich noch vor der Reise gedacht hatte. Geschlossene Grenzen, auslaufende Visa oder komplizierte Einreisebestimmungen bringen uns nicht selten in die Nähe einer geografischen Sackgasse: Ich denke zurück an Zentralasien, als uns das Visum für Turkmenistan verweigert wird, als wir plötzlich 2.000 Kilometer Umweg durch die kasachische Wüste machen müssen. Oder Pakistan, das für uns wie eine Hürde auf dem Weg nach Indien liegt. Wir lange abwägen und letztlich doch so froh sind dieses Land nicht überflogen zu haben.

Die konsequente Überland-Weltumrundung ist für uns keine Challenge, wir wollen damit keinen Rekord aufstellen. Es ist vielmehr unser Bedürfnis, die Welt Stück für Stück zu erfahren. Wenn man so will haben wir dieses Prinzip dogmatisch gelebt, denn schon ein Kurzstreckenflug hätte dem ganzen Weg davor und danach den Zauber genommen. Vor der Reise haben wir uns gesagt, bevor wir fliegen, drehen wir lieber wieder um. Natürlich ist es auch eine große Portion Romantik, die auf dem Landweg mitschwingt und es für uns so reizvoll macht. Besonders als wir die letzten Kilometer von Spanien nach Hause laufen. Wir wollen die Strecke spüren, wollen selbst die Kraft aufbringen, uns und unsere Habseligkeiten Meter für Meter nach Hause zu bewegen. Ganz nah an der Natur, so wie die Menschen immer schon gereist sind.

In den letzten Tagen auf dem Heimweg kommt mir der Satz mit der geschrumpften Welt wieder in den Sinn. Ich finde, die Welt hat sich gar nicht so klein angefühlt.
Distanz hat viel Facette. Distanz ist eine Entscheidung. Man misst Distanz nicht mehr nur in Metern, sondern auch in Minuten. Ich finde es schön zu wissen, dass die Welt nicht nur 48 Stunden sondern auch über drei Jahre groß sein kann.

Das Reise-Magazin mit spannenden Texten, bunten Fotostrecken, Ratschlägen und Anregungen könnt ihr hier bestellen.

Besonders freuen wir uns, dass uns die beiden Referenten im April besuchen:

Köln: Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft
Bochum: 24. April im Bahnhof Langendreer
Münster: 25. April in der Marienschule
Krefeld: 27. April in der KuFa
Mönchengladbach: 28. April im Haus Erholung
Aachen: 29. April im Cineplex
Düsseldorf: 13. Mai im zakk

Infos und Tickets gibt es hier.



Veröffentlicht von Patricia Pilgram am 18. Februar 2018 in der Kategorie »Aus aller Welt, Veranstaltungstipps« mit den Schlagwörtern: , ,


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Kommentar

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Verena (Reiseblog Travelmaniacs) | 12. Mai 2018 um 15:59 Uhr

Lieber Patrick, liebe Gwen, was für eine Reise – unglaublich! Ich war heute in Köln bei eurer Veranstaltung von Grenzgang und ich war begeistert. Seitdem ich nach Costa Rica ausgewandert und auch wieder zurückgewandert bin, suche ich nach immer neuen Abenteuern und Reisezielen. Gerne lasse ich mich dabei von Gleichgesinnten inspirieren. Ich liebe Reisegeschichten von Abenteurern und Reisenden, die wie ich immer auf der Suche nach dem Besonderen sind – abseits der normalen Touristenrouten. Auch euer Beitrag hat mich sehr inspiriert und ich bin sicher, das ein oder andere Land eurer Bucket List werde auch ich irgendwann bereisen 🙂 Vielen Dank, dass ihr eure Lebensgeschichte und eure große Reise mit uns geteilt habt! Alles Gute für eure Familie.