Himalaya – Gipfel, Götter & Glücksmomente – Interview mit Pascal Violo

Viele Monate taucht Pascal Violo in die mystische Welt des Himalaya ein. Seine Reisen führen ihn über verschneite Pässe, auf eisige Berge und durch abgelegene Dörfer, vor allem aber zu den Menschen dieser einzigartigen Region. Am 24. März ist Pascal mit seiner neuen Reise-Reportage „Himalaya“ bei GRENZGANG zu Gast. Im Interview spricht der Fotojournalist mit uns über seine Erfahrungen.

Über welche Himalaya-Regionen berichtest du in deiner Reise-Reportage „Himalaya“?
Ich berichte über die ehemaligen Königreiche Tibet, Nepal, Ladakh, Zanskar sowie über das letzte Himalaya Königreich Bhutan.

Wie lange bist du im Himalaya unterwegs gewesen?
Ich war auf 8 abenteuerlichen Reisen ingesamt mehr als ein ganzes Jahr im Himalaya.

Auto, Flugzeug, zu Fuß, Zug, Trampen, Motor- oder Fahrrad – auf welche Art hast du dich fortbewegt?
Meistens habe ich mich auf die im Himalaya typische Fortbewegungsart bewegt, nämlich zu Fuß, in vielen Regionen gibt es auch bis heute noch keine Straßen. In Ladakh war ich allerdings auch viel auf einem Oldtimer Motorrad unterwegs.

Was macht für dich den besonderen Reiz der Himalaya-Regionen aus?
Die Himalaya Region ist einzigartig. Zwischen den höchsten Berggipfeln der Welt findet man einen tiefen Glauben, der seinesgleichen sucht und alle Lebensbereiche durchdringt. Ein wichtiges Thema in meiner Reportage ist das Glück, das ein tiefer Bestandteil der Himalaya Mentalität ist und vor allem in Bhutan mit der Idee des „Bruttosozialglücks“ ein wichtiger Bestandteil der gesamten Gesellschaft ist.

Wie bist du in Kontakt mit den Bewohnern gekommen?
Ich versuche auf meinen Reisen immer zumindest einen Grundwortschatz in der Landessprache zu lernen, damit ist das Eis schnell gebrochen. Auf einer meiner Reisen war ich auch mit meinen 3 Kindern unterwegs, in so einem Fall ist der Kontakt zur Bevölkerung besonders nah und herzlich.

Wie würdest du Land und Leute beschreiben?
Die Himalaya Region ist ganz klar eine Bergregion, daher gab und gibt es, wie immer in den Bergen, oft wenig Austausch zwischen den Tälern und es konnten sich viele verschiedene Kulturen und Sprachen entwickeln, daher ist die kulturelle Vielfalt hier besonders groß. Allein im kleinen Land Nepal gibt es 124 verschiedene Sprachen und Dialekte.
Weiters kann man die Menschen im Himalaya als besonders herzlich und sehr gastfreundlich beschreiben, hier spielt auch der friedliche Buddhismus eine große Rolle.

Wie hast du dich mit ihnen verständigt und was hast du von dir erzählt?
Wie schon erwähnt, habe ich versucht, zumindest einige Wörter in der jeweiligen Sprache zu lernen. Ansonsten kann man sich auf der ganzen Welt mit Händen und Füßen bzw. mit der Sprache des Herzens verständigen. Gerne erzähle ich von meiner Familie und meinen Kindern, da dies immer eine gute Gemeinsamkeit mit den Familien der bereisten Länder ist.

Womit kann man den Bewohnern eine Freude machen?
Ich unterstütze einige Familien, die ich über die Jahre näher kennenlernte und vor allem ein Waisenhaus Projekt in Nepal, wo Waisenkinder gratis eine gute Schulausbildung bekommen. Ich denke, die Unterstützung von Bildung vor Ort ist eines der größten Geschenke, die man den Menschen machen kann, da es v.a. In abgeschiedenen Regionen oft kaum Zugang zu Schulen und Bildung gibt. Als kleine Geschenke lasse ich am Ende meiner Reisen oft mein Berg Equipment und meine gute Winterkleidung als Geschenk dort, da sich viele keine professionelle Winterkleidung leisten können, es aber im Winter in vielen Regionen unvorstellbar kalt ist.

Gab es ein Erlebnis an das du dich spontan erinnerst und das dich immer wieder zum Lächeln bringt?
Das ist sicherlich die Begegnung mit dem Dalai Lama im Sommer 2016 in Ladakh. Seine besondere Ausstrahlung hat mich stark beeindruckt. Außerdem war die Besteigung meines ersten 6.000ers in der Changthang Region ein Erlebnis, bei dem ich besonders stark meine Grenzen kennenlernte und das mich jetzt im Nachhinein immer wieder zum Lächeln bringt, dass ich damals am Berg nicht aufgegeben habe.

In Bhutan ist das Glücklichsein als Staatsziel, das Glück der Bevölkerung wird vor die Interessen der Wirtschaft gestellt. Sind die Menschen hier wirklich glücklicher als im Westen?
Hier kann ich nur von meiner persönlichen Erfahrung sprechen und ich weiß natürlich nicht, ob es die komplette Bevölkerung des Landes betrifft. Aber nach meiner Einschätzung ist der Grad des Glücks in Bhutan tatsächlich besonders hoch, da der kluge und weitsichtige König nicht auf seinen eigenen Vorteil schaut sondern sich in beeindruckender Weise um das Wohl und das Glück seiner Landsleute kümmert. Für ein Land mit sehr wenigen finanziellen Mitteln erreicht er beachtenswerte Erfolge.

Was können wir von Bhutan lernen?
Definitiv, dass nicht die Wirtschaft über das Wohl der Menschen gestellt werden darf wie es bei uns im Westen Usus ist.

Du bist ja auch in Nepal unterwegs gewesen. Das Land erlebte 2015 ein starkes Erdbeben – fast 9000 Menschen starben, mehr als 22.000 wurden verletzt, Hunderttausende Häuser und religiöse Stätten beschädigt oder zerstört. Wie hast du das Land bei deiner Reise erlebt? Was sehen Reisende heute noch von den Schäden und wie kommen die Bewohner zurecht?
Auch heute kann man die Schäden des Erdbebens von 2015 immer noch sehen, vor allem im Zentrum Kathmandus aber auch in Bhaktapur und in anderen Teilen des Landes. Das Waisenhaus, das ich unterstütze und das durch Spendengelder aufgebaut wurde, wurde ebenfalls fast komplett beim Erdbeben zerstört. Die Menschen haben aber nicht die Hoffnung verloren, sondern arbeiten gemeinsam mit Zuversicht an einer neuen Zukunft.

Was hast du auf Reisen neben deiner Kamera immer dabei?
Früher hatte ich auch immer meine Gitarre mit auf meinen Reisen, aber als die Kameraausrüstung immer „mehr Gewicht“ bekam, wurde es irgendwann zuviel und die Gitarre muss seitdem zu Hause bleiben. Gerne bringe ich Fotos von meiner Heimat und Geschenke mit um den Menschen, denen ich unterwegs begegne auch etwas zurückgeben zu können.

Bist du auf Reisen eher der frühe Vogel oder die Nachteule?
Das kommt darauf an. Zum Fotografieren bin ich natürlich meistens früh unterwegs aber wenn es abends ein gemeinsames Fest oder eine Zeremonie zu feiern gibt, dann kann es gerne auch spät werden. Auf meinen Himalaya Reisen in den letzten Jahren war ich aber meistens eher früh im Schlafsack, da es nachts oft sehr kalt wird.

Reist du alleine oder in Begleitung? Wie reist du am liebsten und was macht eine gute Begleitung für dich aus?
Meistens reise ich alleine, aber bei größeren bzw. schwierigeren Touren habe ich auch Guides bzw. ein Team dabei. Regelmäßig reise ich auch gemeinsam mit meiner Familie, das ändert natürlich die Reiseart und -geschwindigkeit stark, bereichert aber enorm die Begegnungen unterwegs.
Wenn ich mit Fotografenkollegen reise, sollte man sich vorher unbedingt absprechen ob man ähnliche Ziele bzw. eine ähnliche Art hat, an Dinge, Orte, Menschen heranzugehen. Wenn diese Sachen geklärt sind und harmonieren, freue ich mich über eine gute Reisebegleitung.

Wohin geht deine nächste Reise?
Nachdem ich in den letzten Jahren sehr intensiv die Himalaya Länder bereist habe, werde ich die dortige Kultur stark vermissen. Meine nächsten Reisen führen mich in den hohen Norden Amerikas, nach Churchill an der Hudson Bay zum Eisbären fotografieren, auf den Dempster Highway zum Eismeer und nach Alaska, wo ich im letzten Sommer einige Wochen mit meiner Familie gesegelt bin.

Was bedeutet „Reisen“ ganz allgemein für dich?
Reisen ist für mich Begegnung, im Moment sein, den Augenblick spüren, die Natur intensiv erleben, meine Grenzen kennenlernen und erweitern und ganz viel Neugierde um fremde Kulturen und Lebensweisen zu verstehen.

Worauf können sich Besucher deiner Reise-Reportage „Himalaya“ freuen?
Auf berührende Aufnahmen einer der schönsten und beeindruckendsten Gebirgslandschaft unserer Erde. Auf einen tiefen Einblick in die einzigartige Himalaya-Kultur. Auf Pilgerwanderungen, bunte Feste, strapaziöse Bergabenteuer, einsame Täler, eiskalte Expeditionen und vor allem auf die besondere Mystik, die in den Bergregionen des Himalaya zu finden ist.

Info: Die Reise-Reportage Himalaya am 24. März ist bereits ausverkauft.
Restkarten gibt es noch für die Reise-Reportage „Faszination Trekking“ um 10.30 Uhr und „Tibet“ um 17.30 Uhr.
Infos und Tickets gibt es hier.



Veröffentlicht von Patricia Pilgram am 11. März 2019 in der Kategorie »GRENZGANG-Referenten im Gespräch« mit den Schlagwörtern: , , ,


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