Mit dem Oldtimer auf Weltumrundung. Ein Interview mit Sabine Hoppe und Thomas Rahn.


Mit ihrem Oldtimer „Paula“ brechen Sabine Hoppe und Thomas Rahn auf in die Ungewissheit der Fremde – zu ihrem ganz eigenen „Abenteuer Weltumrundung“. Dass die „drei“ gemeinsam sechs Jahre unterwegs sein werden, ahnen sie zu Beginn ihrer Reise nicht. Katharina Maksym hat mit ihnen über ihre außergewöhnliche Weltumrundung gesprochen:

Wohin ging es mit eurem Oldtimer?

Thomas: Als wir im Spätherbst 2009 mit Paula aufgebrochen sind, hatten wir Lust, die Welt ein wenig besser kennenzulernen. Wo wir auf dieser Reise genau hinkommen würden, wussten wir noch nicht. Sechs Jahre später sind wir zurückgekehrt und hatten 54 Länder auf fünf Kontinenten druchquert und dabei einmal die Erde umrundet. Unsere Reise führte von Deutschland durch Osteuropa bis in den Nahen Osten, entlang der sagenumwobenen Seidenstraße, durch die Splitterrepubliken der ehemaligen UDSSR bis in die unwegsame Mongolei. Wir kämpften uns durch China bis nach Südostasien und erreichten dort ein erstes Ende der Welt. Doch wir wollten noch mehr kennenzulernen und brachten Paula mit einem Frachtschiff nach Nordamerika. Dort folgten wir der Idee, mit ihr entlang der Panamericana durch Nord-, Zentral- und Südamerika bis nach Feuerland zu reisen. Unsere Neugier war ungebrochen und wir stellten uns auch der letzten großen Herausforderung, der Durchquerung Afrikas von der Südspitze bis zurück in die Heimat. Alles in allem reisten wir mit Paula auf 120.000 Kilometern um die Erde.

Warum habt ihr ausgerechnet einen Oldtimer als Fortbewegungsmittel gewählt?
Thomas: Schon als Kind hatte ich davon geträumt, in einem Geländewagen um die Welt zu reisen. Damals hatte ich noch die Vorstellung von einem kleineren Fahrzeug. Als uns dann Paula begegnet ist, hatten Sabine und ich das Gefühl, dass sie zu diesem Vorhaben passt. Wir hatten nicht gezielt nach einem Oldtimer gesucht, uns war das Fahrzeug einfach sofort sympathisch. Als wir dann merkten, wie laut, langsam und behäbig das Fortkommen mit Paula ist, war uns klar, dass es doch auch seine besonderen Tücken hat, mit einem Oldtimer zu reisen.


© Sabine Hoppe & Thomas Rahn, Die Wüste Dash e Lut in Iran

Was ist der Reiz an eurem Oldtimer?
Sabine: Paula ist nicht nur unser Fahrzeug, sondern vor allem auch unser Zuhause. Während dieser langen gemeinsamen Zeit wächst ganz sicher eine besondere Bindung zu solch einem Fahrzeug. Was uns immer wieder aufgefallen ist, war, dass Paula allerorts mit ihrem gemütlichen Aussehen ein Lächeln auf die Gesichter der Menschen gezaubert hat. Sei es in den Wüsten des Iran, im Dschungel Kambodschas oder im entlegendsten Winkel der Anden in Peru. Im Inneren wirkt Paula mehr wie eine rustikale Berghütte, als ein Wohnmobil. Selbst als wir am Altiplano auf knapp 5000 Metern für mehrere Tage in einem Schneesturm steckten, verbreitete der kleine Holzofen angenehme Gemütlichkeit.

Gab es auf der Reise auch Probleme mit dem Oldtimer?
Thomas: Als wir loszogen, hatten weder Sabine noch ich die geringste Ahnung von Fahrzeugen. Zum Test hatten wir einmal ein Rad gewechselt, doch was passieren würde, wenn wir Reperaturen an Paula durchführen müssten, wussten wir nicht. Nur eins war uns klar, inmitten der mongolischen Steppe wird uns der ADAC wohl nicht zu Hilfe kommen. Wir mussten lernen, uns selbst zu helfen. Während der gesamten Reise hatten wir wohl jedes Bauteil von Paula schon einmal in der Hand, vom Radlager bis zum Motorblock, vom Anlasser bis zum Dichtring am Getriebe.


© Sabine Hoppe & Thomas Rahn, Reifensuche im Schrauberviertel, China

Welche besonderen Momente habt ihr auf der Reise erlebt?
Sabine: Die Zeit auf Reisen war geprägt von besonderen Momenten. Sowohl von besonders schönen als auch von besonders anstrengenden. Gemeinsam mit Nomaden in einer Filzjurte in der südlichen Gobi zu sitzen und vergorene Stutenmilch zu trinken, am Rande eines rauchenden Vulkankraters zu stehen, in dem acht Meter unter unseren Füßen das kochende Gestein brodelt oder an einem Wasserloch in der Serengeti von zwei Duzend Elefanten eingekreist zu werden. Das sind Momente, die wir ganz sicher nie wieder vergessen werden. Doch was macht man, wenn einem ein ausgewachsener Elefant näher kommt, als man möchte, wenn sich nachts ein ganzes Dorf bewaffnet und den Lkw umstellt oder man mitten in der iranischen Sandwüste festgenommen auf einer Polizeistation sitzt? Mit all den besonderen Momenten könnten wir sicherlich mehrere Bücher füllen.


© Sabine Hoppe & Thomas Rahn, Gastfreundlichkeit bei den Gobi-Nomaden, Mongolei

Würdet ihr die Reise so noch einmal machen?
Thomas: Wir haben uns ohne große Erfahrung in einen Oldtimer gesetzt und wollten einfach mal sehen, wie weit wir damit kommen. Nach all den Erfahrungen würden wir ganz sicher manches anders angehen. Trotz der vielen auch sehr herausfordernden Momente der Reise würden sowohl Sabine als auch ich jederzeit wieder losziehen, um noch mehr von der Welt zu lernen und zu entdecken. Die Welt ist viel zu interessant, als dass man sie sich nicht ansehen sollte. Paula ist auf jeden Fall startklar.

Am 2. und 9. April kommen Thomas und Sabine zu uns nach NRW! „Bis ans Ende der Welt” erzählt von den ersten 12 Monaten „on the road“, einer Reise, die voller Überraschungen und unerwarteter Begegnungen steckt. Ein Jahr ‚Transasien‘, reich an unvergesslichen Begegnungen, beeindruckenden Kulturen und atemberaubenden Landschaften. Alle Infos und Tickets gibt es hier.



Veröffentlicht von Patricia Pilgram am 13. Februar 2017 in der Kategorie »Aus aller Welt, Reportage« mit den Schlagwörtern: , , ,

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Kommentar

Aktuelles im Frühjahr ’17 | abseitsreisen | 17. Mrz 2017 um 09:45 Uhr

[…] Interview zur Reise ist vor kurzen im Grenzgang-Blog erschienen. Warum mit einem Oldtimer? Gab es größere Probleme auf der Reise? Und einige weitere […]

Roland Schulte-Trux | 12. Apr 2017 um 15:45 Uhr

Liebe Grenzgänger,
am 9.4.17 habe ich in Düsseldorf den hervorragenden Bericht gehört und gesehen. Ich hatte schon an mehreren Veranstaltungen von Grenzgang teilgenommen, aber den von Thomas Rahn mit dem Oldtimer auf Weltumrundung war für mich schon etwas ganz Besonderes! Ich habe gehört, dass es bereits 3 – 4 andere Abschnitte dieser Reise gibt und bitte Sie, dass weitere Vorträge in der nächsten Saison mit ins Programm genommen werden – vielen Dank.

Marcus Maz | 19. Apr 2017 um 10:04 Uhr

Hallo Roland,
schön das freut uns! Wir sind auch begeistert von den dreien (Thomas, Sabine und das Auto Paula :)).
In der nächsten Saison werden sie leider nicht dabei sein, da das Programm schon steht und komplett voll ist.
Es wird aber andere tolle Abenteuer und Weltumrundungs-Vorträge geben.
Dennoch hat es uns so gut gefallen, dass wir die drei in Zukunft mit Sicherheit öfter bei GRENZGANG sehen werden.
Liebe Grüße,
Die Grenzgänger