Veranstaltungstipp: Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“


Wie kann es sein, dass ein T-Shirt heute weniger kostet als ein großer Kaffee, ein Kleid so viel wie ein Eisbecher oder eine Hose so viel wie ein Kinoticket? Und was erzählt der Preis über das Leben der Menschen, die diese Kleidung herstellen?

Mit der Ausstellung „Fast Fashion“ wirft unser Kooperationspartner, das Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt noch bis zum 24. Februar 2019 einen kritischen Blick hinter die Kulissen der globalen Textilindustrie und will dazu anregen, sich engagiert mit dem Thema Mode-Konsum und seinen sozialen und ökologischen Folgen zu beschäftigen.

Ein Thema, dass auch unserem GRENZGANG-Team wichtig ist. So befasst sich jeder von uns in seinem eigenen Tempo mit dem Thema: Zum Beispiel durch das Kaufen von gebrauchter Kleidung auf dem Flohmarkt oder über Online-Kleidertauschseiten wie Kleiderkreisel, das Tragen von nachhaltig hergestellten Klamotten oder durch das Achten auf Siegel wie GOTS oder Bio-Baumwolle. Aber vor allem versuchen wir verantwortungsbewusst einzukaufen und weniger Klamotten zu konsumieren. Natürlich halten wir dem nicht immer Stand – aber wir geben unser bestes.

Wir sind daher schon sehr gespannt auf die Sonderausstellung und freuen uns, auf einen Besuch im Rahmen unseres kommenden GRENZGANG-Thementags Lateinamerika am 18. November. Kommt doch auch vorbei. Nebenbei könnt ihr mit uns durch Lateinamerika reisen: Markstände, Kunsthandwerk, Tanz, Musik und Reise-Reportagen laden euch ein, die Vielfalt dieses bunten Kontinents zu erleben. Das komplette Thementags-Programm findet ihr hier.

Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“
Wie der Name sagt, ist Fast Fashion eine geradezu rasend schnelle Mode: Vom Entwurf bis zur Auslieferung des Produkts müssen heute nicht einmal mehr zwei Wochen vergehen. Und so schnell Entwurf, Produktion und Handel, so rasch Gebrauch und Verschleiß – Billigmode heizt den Textilkonsum an und hat einen neuen Typus des schnellen Modekonsumenten hervorgebracht.

Ökonomisch betrachtet, ist Fast Fashion ein Erfolgsmodell global agierender Konzerne und ermöglicht enorme Profite. Doch die sind oft nur möglich, weil sie zu Lasten der Menschen in den Produktionsländern gehen – hergestellt unter teilweise unwürdigen Arbeitsbedingungen, mit Löhnen unterhalb des Existenzminimums und einer denkbar schlechten Umweltbilanz. Auf der anderen Seite leistet die Textilindustrie in vielen Ländern „Pionierarbeit“: Sie gibt vielen Menschen ohne Ausbildung Arbeit und Einkommen und zieht weitere Branchen nach.


Tim Mitchell, Clothing Recycled © Tim Mitchell 2005

Die Ausstellung möchte die Rolle zweier gegensätzlicher Seiten des Fast Fashion-Phänomens als Leitragende begreiflich machen: die der Konsumenten in den Überflussgesellschaften und die der Produzenten in den Billiglohnländern. Werden wir Verbraucher nicht auch instrumentalisiert, indem wir zum Mehr-Kauf animiert werden?! Welche Psychologie steckt z.B. hinter der Strategie der Sonder- und Ausverkaufsaktionen, der „Limited Editions“?

„Fast Fashion“ stellt die Welten der Textilarbeiter in den Billiglohnländer und die Welt der Schnäppchenjäger unserer Überflussgesellschaft vor und beleuchtet die Hintergründe einer globalisierten Textilwirtschaft. Sie befasst sich mit den Produktionsmechanismen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekten, aber auch mit Umweltfragen und informiert darüber, was wir auf der Haut tragen: Kleidung, die unter Einsatz von bis zu 7000 Chemikalien und lebensgefährlichen Pestiziden hergestellt wird.
Die Ausstellung stellt neben Beispielen aus unterschiedlichen Modesegmenten neun zeitgenössische künstlerische Positionen unterschiedlicher Genres vor, die sich kritisch mit Fast Fashion und ihren Folgen auseinander setzen. Auf diese Weise ergänzen sich wissenschaftliche Recherchen, dokumentarisches Material und künstlerische Reflexion. Es werden Arbeiten aus den Bereichen Fotografie, Film- und Videokunst gezeigt.


Helena Waldmann, Made in Bangladesh, © Helena Waldmann 2014

„Slow Fashion“ heißt der positive Teil der Ausstellung, der zeigt, wie nachhaltige Modeproduktion aussehen kann. Der Ausstellungsteil ist aus den Sammlungsobjekten des Museums zusammengestellt: Es geht um Mode, die Tradition und Gegenwart textilen Gestaltens ausgewählter Herkunftsregionen repräsentiert, zugleich um alternative Materialien und umweltschonende Herstellungsprozesse. Hier wird gezeigt, wie in einzelnen Billiglohnländern die alten nachhaltigen und umweltfreundlichen Produktionstechniken wiederentdeckt werden. Diese Mode erfreut sich einer wachsenden kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Beachtung: Kantha-Stickereien aus Nordindien und Bangladesch, Alpaka-Designs aus Chile, der “langsamste Stoff der Welt” – IKAT aus Ost-Indonesien, Bilum-Kleidung aus Papua Neuguinea, Lotos-Seide aus Myanmar, Brokat-Webereien aus Thailand, Batik-Arbeiten aus Indonesien, Rindenbast-Textilien aus Uganda, Faso Dan Fani aus Burkina Faso.


Herstellung von „Lotos-Seide“ am Inle-See, Myanmar | Lotos-Silk Fabrication at Lake Inle, Myanmar © Canan Kalac Köln 2017

Begleitet wird die Ausstellung von einem Veranstaltungsprogramm, das die “Fair Trade City” Köln in besonderer Weise einbezieht – das sind Modeschaffende und Händler, Produzenten und Konsumenten, Künstler, Schulen und Hochschulen, die sich für einen fairen Modekonsum engagieren.
Das Begleitprogramm zur Ausstellung findet ihr hier.



Veröffentlicht von Patricia Pilgram am 14. November 2018 in der Kategorie »Veranstaltungstipps« mit den


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